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Nach Rückzug des Bergbaus - Neue Entwicklungsperspektiven für die Landschaft

  • Naturschutzgroßprojekt „LIK.Nord“ setzt bundesweiten Maßstab für die Gestaltung von altindustriellen Landschaften
  • Pflege- und Entwicklungsplan formuliert anspruchsvolle Ziele

Schiffweiler-Landsweiler/Reden, Bonn, 30. Juli 2012: Die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Prof. Beate Jessel, besucht heute das saarländische Naturschutzgroßprojekt "Landschaft der Industriekultur Nord" (LIK.Nord). Sie wird sich zusammen mit den Projekt-Beteiligten über die Ergebnisse der ersten Projektphase informieren. Das Projekt hat für den Bund einen innovativen Charakter: Es wurde 2009 im Bundeswettbewerb "idee.natur - Zukunftspreis Naturschutz" ausgezeichnet und damit als erstes Naturschutzgroßprojekt in einer urban-industriellen Region ins Förderprogramm "chance.natur - Bundesförderung Naturschutz" aufgenommen.

"Die schutzwürdigen Teile von Natur und Landschaft in der vom Bergbau geprägten Stadtlandschaft sind von bundesweit repräsentativer Bedeutung. Mit der Förderung sollen sie dauerhaft gesichert und zu einer vielfältigen Kulturlandschaft entwickelt werden", so Beate Jessel. Ziel des Projekts ist es, die von Bergbau und Stahlindustrie geprägte Region seitens des Naturschutzes zu unterstützen, sich ein neues Image zu geben. Damit werden neue Entwicklungschancen ergriffen. Das Leitbild der LIK.Nord setzt auf "Natur" als gestaltende Kraft für die Neuorientierung der urban-industriellen Landschaft. Für das Vorhaben sind deshalb Synergien zwischen der wirtschaftlichen und touristischen Entwicklung der Region und innovativem Naturschutz, der die Bürgerinnen und Bürger vor Ort mitnimmt, von großer Bedeutung.

Roland Krämer, Staatssekretär im saarländischen Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, begrüßt den innovativen Ansatz des Naturschutzgroßprojektes: "Die Bergbaufolgelandschaft ist eine spannende Kulturlandschaft mit einer einzigartigen Naturausstattung. Diese zusammen mit der Bevölkerung zu schützen, zu entwickeln und zu präsentieren birgt große Chancen für die weitere Entwicklung der Region."

Im nun vorliegenden Pflege- und Entwicklungsplan wurden die vielfältigen Ideen der Akteure fachlich auf ihre Realisierbarkeit überprüft sowie Möglichkeiten und Wege für die Umsetzung aufgezeigt. "Im Pflege- und Entwicklungsplan werden anspruchsvolle Ziele für den Umgang mit den Hinterlassenschaften des Bergbaus sowie seinen Auswirkungen auf die landschaftliche Struktur formuliert," sagte BfN-Präsidentin Jessel. Halden, ehemalige Kohlenlager und Schlammweiher bildeten ein einzigartiges, von der Nutzung hervorgebrachtes Mosaik, das die jetzige landschaftliche Vielfalt ausmache. Die besondere Herausforderung bestehe in der bewussten Erhaltung, Gestaltung und Inwertsetzung dieser Strukturen, so Beate Jessel.

Im direkten Zusammenhang mit der früheren Nutzung steht ebenfalls die strukturreiche Agrarlandschaft. Hier sollen insbesondere Aktivitäten zur Wertschätzung regionaler landwirtschaftlicher Produkte den Erhalt und die Entwicklung steuern. Unter dem Schlagwort "Neuerfindung der Bergmannskuh" - dem Symbol der früheren Subsistenzwirtschaft der Bergleute - unterstützt das Projekt beispielsweise bürgerschaftliche Aktivitäten zur Landnutzung im Sinne des Naturschutzes. Zudem liefert der Pflege- und Entwicklungsplan konkrete Vorschläge zu Ausweisungen von Naturschutzgebieten, z. B. in den Bereichen des Prozessschutzwaldbau-Reviers "Quierschied".

Die Planungsphase wurde im April 2012 abgeschlossen und mit mehr als einer Million Euro gefördert, die zu 75 Prozent vom Bund, zu 15 Prozent vom Saarland und zu zehn Prozent vom Zweckverband aufgebracht wurden. Begleitet wurden die Planungen von zahlreichen Maßnahmen zur Öffentlichkeitsarbeit. Mit einem Moderationsprozess konnten ein breites Spektrum von Interessen- und Nutzergruppen sowie Kritiker erreicht und im gemeinsamen Dialog für das Naturschutzgroßprojekt gewonnen werden.

Hintergrund

Der Bundeswettbewerb "idee.natur - Zukunftspreis Naturschutz" wurde vom Bundesumweltministerium und dem Bundesamt für Naturschutz in Kooperation mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium im Jahr 2008 ausgeschrieben. Im Rahmen dieses Wettbewerbes sollten neue zukunftsweisende Konzepte für Naturschutzgroßprojekte entwickelt werden, die zugleich wirtschaftliche Perspektiven für ländliche Regionen erschließen. Das Projekt "Landschaft der Industriekultur Nord" ist eine von fünf Gewinnerregionen, die sich durch bundesweite Repräsentanz, Beispielhaftigkeit und Großflächigkeit auszeichnen.

Mit dem Förderprogramm "chance.natur - Bundesförderung Naturschutz" unterstützt der Bund seit 1979 ausgewählte Regionen bei ihren Bemühungen, national besonders schützenswerte Naturräume und historisch gewachsene Kulturlandschaften großräumig zu sichern. Insgesamt wurden bislang 76 Vorhaben auf einer Gesamtfläche von mehr als 3.500 Quadratkilometern in die Förderung aufgenommen.

Letzte Änderung: 30.07.2012

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