Deutsch-Chinesischer Workshop zu Ecocities and Ecoprovinces in Shenzhen
Zusammenarbeit zum Thema „räumliche Entwicklung“

Besichtigung einer Biologischen Versuchs-Kläranlage (Autorin: Susanne Lehmann)
Gefördert und begleitet vom BfN fand im November 2006 in Peking ein erster deutsch-chinesischer Workshop zur Landschaftsplanung statt. Der Workshop stieß bei den chinesischen Partnern auf großes Interesse. Es wurde der Wunsch geäußert, deutsche Ansätze näher kennen zu lernen und am deutschen Erfahrungsschatz zu partizipieren. Die Bedingungen in China verlangen in hohem Maße nach einer planerischen Bewältigung der mit dem schnellen Wachstum verbundenen Probleme für Raum, Natur und Landschaft.
Workshop in der chinesischen Ecocity Shenzhen
Im Oktober 2009 fand in Shenzhen ein deutsch-chinesischer Workshop zum Thema Ecocities und Ecoprovinces statt, der gemeinsam von BfN, CRAES, der Shenzhen Academy of Environmental Sciences und der Habitation and Environment Commission of Shenzhen Municipal People's Government organisiert wurde.
Shenzhen liegt im Süden der südchinesischen Provinz Guangdong (Kanton) im Perlfluss-Delta und ist eine der ersten „Ecocities“ Chinas. Das Stadtgebiet umfasst eine Größe von 2.050 km², wobei die eigentliche städtische Fläche sich auf etwa 400 km² erstreckt. In Shenzhen wohnen über 10 Mio. Menschen. (Vergleich: Berlin mit etwa 900 km² und 3,4 Mio. Einwohnern / Saarland 2.600 km² mit etwa 1 Mio. Einwohnern). Die Stadt liegt an der Grenze zur chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong. Diese günstige Lage war der Grund dafür, dass unter Deng Xiaoping im Mai 1980 in Shenzhen die erste Sonderwirtschaftszone Chinas eingerichtet wurde, unter anderem auch, um von der wirtschaftlichen Entwicklung Hongkongs zu profitieren. Dengs Parole im Zusammenhang mit der Stadt Shenzhen lautete "Lasst den Westwind herein. Reichtum ist ruhmvoll". Dies beschrieb sehr treffend das, was in der Stadt in den kommenden Jahren passieren sollte, ein extremer Bauboom, wie es selbst in China selten ist.
Der Workshop

Deutsch-Chinesischer Workshop zu Ecocities and Ecprovinces – Gruppenfoto aller Akteure (Autorin: Susanne Lehmann)
Die Präsentationsinhalte der chinesischen Seite konzentrierten sich im Schwerpunkt auf die nachhaltige Entwicklung von Ecocities. Dabei standen sehr stark technische Aspekte wie Wassermanagement und –reinhaltung, Abfallwirtschaft, Luftreinhaltung etc. im Vordergrund. Klassische Naturschutzthemen wurden eher am Rande berührt, der Fokus lag auf einer ökologisch orientierten städtebaulichen Entwicklung sowie in einigen Aspekten der Durchgrünung der Stadt und dem Erhalt naturschutzrelevanter Gebiete, wie der Küstenmangrovenwälder. Die europäischen Teilnehmer fokussierten im Wesentlichen auf die Bereiche ländliche Entwicklung, Planungselemente und Klimawandel unter Berücksichtigung von Naturschutzthemen.
Interessant war die spürbar unterschiedliche Herangehensweise der chinesischen und der europäischen Diskussionsteilnehmer an das Thema Stadt-/Raumentwicklung. Die Exkursion ins Stadtgebiet zeigte die nach europäischen Maßstäben riesigen Dimensionen, Entfernungen und Größenverhältnisse, die nach deutschem Verständnis eher ganzen Regionen entsprechen und somit andere Managementansätze verlangen.
Dennoch konnten verschiedene ähnliche gelagerte Grundprobleme in beiden Ländern ausgemacht werden, zu deren Bewältigung ein bilateraler Austausch hilfreich sein kann:
- Frage der Umsetzung: Wie schafft man es, Planungsansätze, die ökologische und andere Umweltaspekte berücksichtigen, in die Entscheidungsprozesse einzubinden?
- Verfahrenstransparenz: Wie gelingt es, die Transparenz und den Ablauf von Entscheidungen zwischen verschiedenen zuständigen Ämtern zu optimieren? Insbesondere die „junge“ Umweltverwaltung in China hat oft Zugangsschwierigkeiten.
- Verfügbarkeit relevanter Daten: Wie gelingt es, die für die Vorbereitung von Entscheidungen erforderlichen Umweltdaten in den verschiedenen datenführenden Stellen zu bündeln und so die Datenbeschaffung zu erleichtern?
- Wissenstransfer: Wie gelingt es, den Transfer von wissenschaftlichen Forschungsergebnissen und Erkenntnissen in die Politik zu verbessern?
Europäisch-Chinesische Studien als Hintergrund- und Diskussionspapier zum Workshop
Für den Workshop wurden zwei Hintergrundpapiere erstellt. Ein von chinesischer Seite erstelltes Papier beschreibt die chinesischen Erfahrungen mit dem Konzept „Ecoprovince / Ecocity“ und berücksichtigt dabei insbesondere auch die methodischen Ansätze der Planung und des Managements dieser Regionen. Ein zweites Papier schildert ausgewählte europäische Erfahrungen einer nachhaltigen Regionalentwicklung. Während die europäische Studie mit ihren fünf Fallbeispielen im Wesentlichen den ländlichen Raum beleuchtet, fokussiert die chinesische Studie auf die chinesische Definition von Ecocities. Die Die chinesische Studie beschreibt den Ansatz für die Planung von Ecocitiesun stellt drei Fallbeispiele vor. Mit der Fallstudie ‚Longhua’ wird ein ‚ländliches’ Beispiel eingezogen. Die Studien bieten Anhaltspunkte für weitere mögliche Themen und Schwerpunkte in der zukünftigen deutsch-chinesischen Zusammenarbeit.
Die beiden englischsprachigen Studien zum Herunterladen:
Comparative Study Europe
Comparative Study China

